Bericht aus der Ostsee-Zeitung über unseren 8er-Rat



01.03.2018

 

 

Vom Bus-Freizeitticket bis zur Lese-Pause

Ostseeschüler in Wismar leben Demokratie - 8er Rat kümmert sich um Jugendthemen

 

Schülerinnen und Schüler der beiden achten Klassen an der Ostseeschule haben einen 8er Rat gegründet. Seit Oktober befasst er sich mit Themen, die den Kindern und Jugendlichen auf der Seele brennen, wie etwa Probleme im Schulalltag, beim Busfahren, mir dem öffentlichen W-Lan oder das Klima an der Schule. Diese Beteiligungsform von Jugendlichen wird erstmals im Land praktiziert. Der Bund fördert das Pilotprojekt mit seinem Programm "Demokratie leben!". Unterstützt werden die Schüler von Sozialarbeitern, vom Landesjugendring, von den Stadtjugendringen Wismar und Schwerin, der Beteiligungswerkstatt MV und vom Regionalzentrum für demokratische Kultur in Westmecklenburg.

In mehreren Arbeitsgruppen hat der 8er Rat einmal im Monat Probleme, aber auch Wünsche und Ideen der Schüler gesammelt und diskutiert. Jetzt kam er mit Experten aus den jeweiligen Fachgebieten zusammen, um darüber zu beraten und Lösungen zu finden.

Beispielsweise gefällt den Achtklässlern nicht die tägliche Lese-Pause an ihrer Schule. Stattdessen hätten sie gerne eine längere Frühstückspause. "Die Lese-Pause hat ja einen Grund. Ihr könnt euch überlegen, wie man sie anders gestaltet, und das mit euren Lehrern besprechen", schlug Johanna Remer vor. Die Vorsitzende des Kreisschülerrates war als Expertin geladen. Möglich wären vielleicht statt tägliche zwei oder drei intensivere Lese-Pausen in der Woche. Michel Schröter, Schülervertreter aus Klasse 10 und ebenfalls als Experte dabei, zeigte sich zuversichtlich, eine Regelung mit den Pädagogen zu finden.

Zu Bustarifen, Fahrplan- und praktischen Problemen hat die ÖPNV-Arbeitsgruppe mit Tino Waldraff und Marianne Cörs als Experten vom Landkreis und von Nahbus emsig diskutiert. Die Schüler kritisierten unter anderem die "Riesenrunde durch die Stadt" und die langen Pausen am Busbahnhof. Sie mahnten eine weitere Haltestelle zwischen der Lilo.Herrmann- und der Erwin-Fischer-Straße in Wendorf an. Tino Waldraff berichtete ihnen von der neuen Schulkarte, mit der Schüler außerhalb der Schulzeit kostenlos den Bus nuten können. Denjenigen, für die diese Karte nicht gilt, bietet Nahbus das Jugendfreizeitticket: Für zehn Euro im Monat können sie in Wismar, nach Schwerin oder Lübeck fahren. Ingolf Holst, als Vorsitzender des Kinder- und Jugendparlaments ebenfalls ein Experte, nahm viele Infos fprs KiJuPa mit, zum Beispiel über die Technologie in den Bussen, wie die Echtzeitanzeite, die der Landkreis für die nächsten Jahre plant.

Beim öffentlichen W-Lan stellte Marco Trunk fest, dass die Schüler nicht wissen, wo sie es überall nutzen können. "Wir werden eine Runde drehen, auch um festzustellen, wo noch Hotspots fehlen", sagte der Sprecher der Stadtverwaltung, als Experte geladen. Ihm gefiel die Idee, mit Aufklebern auf die Hotspots hinzuweisen. Dafür wollen die Schüler Händler und andere Gewerbetreibende gewinnen.

Sehr emotional wurden laut Streetworker Sebastian Witt Probleme beim Schulklima wie auch im Freizeitbereich diskutiert. Als Fazit nannte der Experte, offensiver gegen Mobbing vorzugehen. Auch Birgit Kethur als Vertrauenslehrerin an der Ostseeschule ermunterte die Jugendlichen, Lehrer öfter auf Probleme aufmerksam zu machen. "Wir sollten mehr kommunizieren, welche Möglichkeiten wir an der Schule haben - wie Streitschlichter - und warum wir sie nicht intensiver nutzen."

Die Arbeitsgruppe "Unterwegs in Wismar" beschäftigt zum Beispiel die Löcher im Schwarzen Weg, die kaputten Straßen am Friedenshof und dass im Köppernitztal die Beleuchtung fehlt. Antworten vom Bauamt haben die Schüler per Mail erbeten, weil der eingeladene Experte nicht gekommen war.

Bei seiner nächsten Zusammenkunft am 15. März will sich der 8er Rat über die Ergebnisse des Expertentreffens austauschen und überlegen, wie die Ideen umgesetzt werden können.

"Das Projekt werden wir forführen", sagt Geneviève Braune, Moderatorin der Beteiligungswerkstatt MV. "Im Juni übergeben wir es an die nächsten achten Klassen."

(aus: Ostsee-Zeitung vom 01.03.2018, S. 13)

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